4. Stadtwerke Lübeck Marathon

Kurze Zusammenfassung: Nimm das! Schweinehund, elender!

Langfassung:

War das ein Lauf. Kalt wie in Sibieren, ewig weit, wahnsinnige Anstiege und Gefälle im und sowohl vor, als auch hinter dem Herrentunnel, endloser Asphalt, schmerzende Füße und Beine… Kurz: es war ein perfekter Lauf :-).

Doch fangen wir mal der Reihenfolge nach an. Morgens um 6:30 klingelt der Wecker. Aufstehen, duschen, Frühstück. So weit, so normal. Ein Blick auf die Uhr lässt Panik aufkommen. Wir müssen doch noch Kind Nr.2 samt Oma und Opa einsammeln und dann noch bei meiner Schwester vorbei, die am Vortag bereits die „Nummernschilder“ (O-Ton der Kleinsten im Team) abgeholt hat. Und wer weiß wie es in der Innenstadt aussieht. Da ist doch sicher schon alles total dicht und wir müssen uns bestimmt mit roher Gewalt um die Parkplätze prügeln. Und dann dauerte es bei Oma und Opa, die wir beim gemütlichen Frühstück antrafen, noch bis alle angezogen und im Auto verstaut waren. Nun aber Tempo. Es ist ja schon nach Acht und um Zehn starten schon die Ersten! Kurzer Stopp bei meiner Schwester „Hallo“, „Hallo“, „Danke“, „Tschüß und viel Erfolg“. Weiter gehts. Ab in Richtung Innenstadt.

Seltsam, so leer hier. Kaum jemand unterwegs um diese Zeit. Parkplatz am MuK statt Parkhaus am Holstentor war eine gute Entscheidung, denn der Automat hier meinte, anders als die im Parkhaus, am Sonntag wäre ihm das kassieren zu mühsam. Die Familie zur Eile antreibend geht es dann in Richtung Markt. Erste Läufer sind zu sehen. In kurzen Hosen und T-Shirt. Sind ja auch wohlige 3°, da kann man schon mal Kurz tragen. Mir selbst kriecht dagegen die Kälte auch unter die wärmende Jacke und den Trainingsanzug. Pünktlich wie die Maurer stehen wir um 9:20Uhr auf einem ziemlich leeren Marktplatz. Buden, Stände, Startgasse und auch Orga – alles da. Nur keine Läufer. Und nun? Startunterlagen brauchen wir nicht holen, haben wir ja schon. Die Moderatoren versuchen sich mit lockeren Sprüchen warm zu halten und lenken sich mit technischen Problemen von der Kälte ab. Nur langsam füllt sich der Markt. Und erst wenige Minuten vor 10 wird es dann schlagartig wirklich voll. Kunststück, denn der erste Start steht an. Die Marathonläufer sind die ersten, die heute starten werden.

Marathonstart

Wenige Minuten später geht es dann auch für die Kleine (2,1km) und die Mama (4,2km) los. Schon nach 12 Minuten ist die Kleine wieder da, die Mama braucht knapp doppelt so lange. Scheinen beide noch nicht warm gewesen zu sein. Die Medaille wird ab Zieleinlauf nicht mehr abgelegt und den Rest des Tages (und am liebsten auch noch am Folgetag in der Schule) stolz auf der Kinderbrust zur Schau getragen.

Schüler- und Familienlauf nur wenige Minuten später

Langsam kommt die Sonne herum und an einer Ecke des Marktes balgen sich die Läufer um einen Platz an eben jener. Dicht gedrängt wird jeder Zentimeter Sonne ausgenutzt. Die Situation soll sich allerdings im Laufe des Tages noch weiter entspannen. Mitbekommen habe ich selbst nicht mehr viel davon, denn pünktlich um 11 fällt der Startschuss für den Halbmarathon. Langsam bildet sich ein Kloß aus Angst und Vorfreude im Hals. Die Nervosität macht sich mittels wildem unkoordiniertem Herumgehüpfe bemerkbar. Scheint aber nicht nur mir so zu gehen. Könnte bei den anderen aber auch an der Kälte liegen (in der Startgasse war von der Sonne noch nicht viel zu spüren).

Warten auf den Startschuß

Vorne brabbelt irgendwer irgendwas unverständliches die ganze Zeit über die Lautsprecher, was aber auf Grund der Unterhaltungen um mich herum nicht bis hier hinten durchzudringen scheint. Doch plötzlich, die Uhr sagt, dass es gleich losgehen müsste, schwillt von der Startlinie beginnend ein kollektives Herunterzählen an. „Acht“, „Sieben“,“Sechs“… betont langsam wird gezählt… „Zwei“,“EINS!“. Ein Schuss und der Pulk tobt los. Zwei Meter weiter steht alles wieder. Stau :-). Über eine Minute habe ich für die knapp 40 Meter von meinem Standplatz bis zur eigentlichen Startlinie gebraucht. Dies wird noch Auswirkungen haben, dazu aber später mehr.

Die Strecke ist vom Start weg schön angenehm breit. Kein Stau, kein Gedränge, keine Läufer die einem vor die Füße laufen. Dazu geht es noch angenehm leicht bergab. Mir gehts gut. Der Fuß tut fasst gar nicht weh und die üblicherweise mehr als 1km lange Einlaufphase (bis vom Fuß nix mehr zu merken ist) verkürzt sich hier auf wenige hundert Meter. Es läuft.

Kurz nach dem Start noch zu Späßchen aufgelegt

Burgtor voraus

So geht es im Slalom durch die Innenstadt von Lübeck. Einmal über den Boulevard, an der Jakobikirche und dem Heiligen-Geist-Hospital vorbei geht es durchs historische Burgtor. An einer Bushaltestelle sitzt eine kleine Trommelkombo und treibt die Läufer mit rythmischen Bässen an. An dieser Stelle kam ich ins Grübeln ob ich nicht besser Musik mitgenommen hätte, denn der Motivationseffekt nimmt mit wachsendem Abstand zur Kombo auch wieder ab.

rhythmische Unterhaltung

Hier ging die Strecke dann auch am Wendepunkt für die Staffelläufer vorbei, welche nur kurze 4,2km in 10er Staffeln liefen. Kurz darauf kommt der erste Verpflegungspunkt. Lautstark heißt es hier: „…heute alles Gratis! Jetzt und hier! Nur heute! Nehmen und genießen! Greifen Sie zu!…“ So preist ein Junge den Inhalt, ich glaube es waren Bananen, seiner Schüssel an. Aber auch Wasser, Tee, Cola und Äpfel werden angeboten. Sogar Müsliriegel sind im Angebot. Die Versorgung ist erstklassig. Schade nur, dass ich mit vollem Bauch nur Probleme kriege. So habe ich insgesamt nur an 3 Stationen jeweils einen Becher Wasser genommen und jeweils ein paar Schlucke genippt. Dabei war mein mitgebrachter Trinkhalm ideal, denn bei den Kunststoffbechern ließ sich der Rand nicht zu einem Schnabel knicken. Der Becher brach dabei einfach und die Suppe wäre mir dann einfach am Shirt herunter gelaufen.

Unterführungen und viel Platz

Und so ging es die Travemünder Allee entlang. Direkt auf der Fahrbahn. Extra für die Läufer gesperrt. Zweispurig! Zwei Unterführungen gaben Orientierungspunkte. Einmal über eine Dritte hinweg um die Straßenseite zu wechseln, was bereits die ersten schwierigeren Steigungen in die Strecke brachte. Und dann, nach zweimaligem Abbiegen kam das Highlight. Da stand tatsächlich eine komplette Kapelle in einer Bushaltestelle mit Trompeten, Trommeln und allem was dazu gehört und musizierten. Im Anzug. Mit Hut und Handschuhen 🙂 .

Musik bitte!

Direkt im Anschluss ging es erst mal 700m immer bergab von 6m über bis auf ca.28m unter Normalnull. Läuft sich klasse. Schön beschwingt den Asphalt runter. Doch wo es runter geht, muss es auch wieder rauf gehen. Und so wird es doch schon anstrengend sich dem anderen Tunnelportal wieder entgegen zu arbeiten. Irgendwann kann man dann das Licht am Ende des Tunnels erblicken und freut sich, gleich wieder auf ebenerer Strecke zu laufen. Doch wenn man den Tunnel hinter sich gelassen hat, geht es noch weiter nach oben. Und so schraubt man sich auf knapp 2km von 28m unter auf 22m über dem Meeresspiegel. Uff. Da brennen die Beine aber.

Diättipps an der Mautstelle?

Kurz hinter der „Kuppe“ kommt der Wendepunkt. Die Marathonis werden geradeaus in Richtung Travemünde geleitet (der erste kam mir gerade entgegen) und wir „Halben“ dürfen einmal über den Parkplatz des örtlichen Supermarktes, bevor es wieder auf den Rückweg geht. Auch hier gibt es fast volksfestähnliche Zustände. Doch im Augenblick habe ich keine Augen dafür und will nur weiter. Ein Blick auf die Uhr sagt: exakt eine Stunde rum.

Tunneleinfahrt

Was eben noch die Waden strapazierte, sorgt nun für ausreichend Erholung. Zwei Kilometer lang bergab. Leider kann ich das nicht wirklich in zusätzliches Tempo umsetzen, denn die Beine sind noch vom Hinweg leicht strapaziert. Und so geht es abermals in die Röhre unter der Trave. Vor allem der Punkt, kurz bevor man die Sohle erreicht, sieht spektakulär aus. Wenn die Straße sich plötzlich steil vor einem aufzurichten erscheint. Schade nur, dass der Forerunner hier nicht aufzeichnen konnte, aber mit dem GPS-Empfang sieht es so weit unterm Meeresspiegel, umgeben von Schlick, Stahl und Beton, verdammt schlecht aus.

Irgendwann, nach einer gefühlten, schmerzhaften Ewigkeit, war ich dann wieder aus dem Tunnel heraus und froh, dass ab hier nur noch wenige Steigungen zu bewältigen sind. Dementsprechend wurde der Blick für die Sehenswürdigkeiten am Straßenrand dann doch etwas trüb. Der Tunnelblick setzte ein.

Grandiose Arbeit leisteten aber nun die unzähligen Streckenposten die wirklich im Abstand von wenigen hundert Metern am Straßenrand standen und jeden Einzelnen persönlich anfeuerten und nach Kräften motivierten. Auch fing ich nun mit der Kopfrechnerei an. Und so hangelte ich mich von Kilometerschild zu Kilometerschild. Kilometer 15: noch knapp über 6km und fast 38 Minuten bis zur 2h-Marke. Sollte zu schaffen sein. Kilometer 18: noch etwas mehr als 3km und noch fast 18 Minuten: wird eng, könnte aber klappen. Kilometer 20,1 kein Kilometer mehr und noch über 5 Minuten, jetzt aber Gas. 20,7km, noch 2 Minuten: Vollgas! Auf dem Boulevard läuft eine Frau direkt vor mir: „die kriegst du!“ Nebenbei noch versucht in die Kamera von meinem Papa zu lächeln (hat aber wohl nicht geklappt, also das mit dem Lächeln). „Kämpfen!“ Im Tordurchgang vom Rathaus, nur 15m vorm Ziel an der Dame vorbei und Ziel!

Jetzt aber hurtig!

Die Uhr noch auf der Ziellinie gestoppt, Medaille in Empfang nehmen, schnaufen, ins Bierzelt gehen, hinsetzen. Aus. Ende. Geschafft. Vorbei. K.O.

Langsam trudelt die Familie ein. Ich bekomme was zu trinken. Kann meinen ersten Twit absetzen ( 🙂 ). Die Uhr zeigt 2:01:05 an. Mist. Enttäuschung macht sich breit. Auf der Uhr die Rundenzeiten analysiert und festgestellt, dass in der Startphase 1:09 verloren gegangen ist. Verdammt, das kann doch jetzt nicht wahr sein. Aber damit ist zumindest die Nettozeit unter 2h! Ha. Geht doch! (wenigstens etwas 🙂 )

Ergebnis

Langsam erhole ich mich wieder. Ich wanke zum Verpflegungspavillion und kann mich ob der vielen Leckereien gar nicht entscheiden was ich jetzt in mich reinschaufeln soll. Also nehme ich einfach von allem etwas. Noch eine Cola und dann wieder zum Sitzplatz zurück. Die Leckereien werden mir sogleich vom Nachwuchs mit dem Kommentar abgenommen, dass sie extra auf mich mit dem Essen gewartet hätten und so beschränke ich mich daher auf Bananenstückchen und die Cola. So langsam bildet sich nun auch ein Grinsen im Gesicht, was sich noch eine ganze Weile halten sollte.

Da der verfressene Nachwuchs immer noch Hunger hat, geht es erst einmal auf Zwischenstopp zum Burgerbrater um die Ecke. Nichtexistenz zu heucheln wäre zwecklos, denn der Schülerlauf bei dem die Kleine mit lief führte direkt an 2 Filialen dieses Unternehmens vorbei. Dort also erst einmal ein Menü und dann noch ein Eis zum Nachtisch. Ich war damit erst einmal voll. Bis oben hin. Damit hatte ich also den Kalorienverbrauch mehr als wieder ausgeglichen.

Nun nur noch versuchen zum Auto zu staksen und dann nach Hause fahren lassen.

Das offizielle Ergebnis war dann auch 2:01:06,8 Brutto und 1:59:55,2 Netto, was einem 50. Platz in der Altersklasse und dem 544. Gesamtplatz entspricht. Hätte ich ernsthaft trainiert/trainieren können, dem aufmerksamen Mitleser wird die Achillessehnenproblematik der letzten Wochen nicht entgangen sein, wäre vielleicht sogar eine besser Zeit bei herum gekommen.

Die Strecke:

Update: noch mehr Berichte sind übrigens hier zusammen getragen.

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11 Responses to "4. Stadtwerke Lübeck Marathon"

  • Laufhannes says:
  • aba says:
  • rehwald says:
    • Laufhannes says:
  • Julia says:
  • Maacher says:
  • Bernd says:
  • rehwald says:
  • Antonia says:
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