12. Müritz-Lauf

949 Läufer waren an diesem schönen Sommertag zusammengekommen um um den größten Binnensee Deutschlands zu rennen. 75km ist eine Runde lang. Für die meisten zu lang. Daher gibt es auch noch eine kleinere Strecke, die mit knapp 26,5km allerdings auch schon „nicht ganz ohne“ ist.

Postkartenwetter

Da ich nun nicht gerade zu den Ausdauerathleten gehöre (zu den fixen Sprintern aber leider auch nicht), habe ich mich für den kürzeren Bambini- Städte-Lauf entschieden. Startzeitpunkt war zu 11:00Uhr angesetzt, also knapp 3 Stunden nach dem Start der Ultra- und Staffel-Läufer sowie der Handbiker, konnten wir gemütlich frühstücken und in aller Ruhe zum Startpunkt anreisen. Da ich natürlich ganz toll vorbereitet war, hatte ich keine Ahnung wo wir hin mussten.

beschauliche Startzone

Den Ort wusste ich noch und dass es am Hafen stattfinden sollte war mir bekannt, aber das war es dann auch schon. Ohne die geringste Ahnung wie wir zum Hafen kommen, ob es der richtige sein wird und überhaupt fuhren wir also in den Ort und einfach aufs Wasser zu. Irgendwo da muss es ja sein. Und prompt haben wir auf Anhieb die Menschenmassen auf der Wiese unter den Schatten spendenden Bäumen gefunden, einen Parkplatz ergattert (samt geschenkten Parkticket von einem Touri, der aus versehen eines mit zu kurzer Laufzeit gezogenen hatte, danke noch einmal hierfür) und uns zu den anderen mit diesen seltsamen Nummern am Bauch gesellt.

Man könnte ja auch mit dem Schiff…

Knapp eine halbe Stunde noch bis zum Start genossen wir das Wetter und versuchten uns so wenig wie möglich zu bewegen, denn der Schweiß ran auch so schon den Rücken hinab. Die Planung meines Supporter-Teams schrumpfte auf einen Freibadbesuch zusammen, so dass ich auch nicht mit jubelndem Nachwuchs an der Strecke rechnen musste. Nebenbei noch ein, zwei Becher Wasser genippelt, ein bisschen Traubenzucker gelutscht ging es auch schnell auf 11:00Uhr zu und die versammelte Mannschaft wurde auf die Straße gebeten. Startlinie war diesmal ein Stein am Wegesrand.

Startaufstellung

Es wurde herunter gezählt, ein Schuß fiel und alles lief los. Bei knapp 148 Läufern lief dann auch alles sehr geordnet ab. Kein Gedrängel, vor die Füße laufen oder gar Geschubse, einfach los und in Ruhe in das eigene Tempo finden. Es lief ausgesprochen gut. Die Uhr war irgendwo bei 5:30/km auch nach einer ganzen Weile noch fand ich das Tempo trotz der jetzt schon recht hohen Temperatur nicht zu schnell.

neben Wäldern mit ein bisschen Schatten…

Kaum aus Röbel raus, ging es nach links von der eigentlichen Hauptstrecke herunter um einmal quer über die Felder und an kleinen Wäldchen vorbei unter der strahlenden Mittagssonne hindurch über geschotterte Feldwege in Richtung Gotthun. Dort schwenkten wir auf den Müritzrundweg ein und liefen so an frisch gemähten Getreidefeldern vorbei in Richtung Kreisstraße, wo wir dann erst einmal auf dem dortigen Radweg weiter bis Zierzow liefen. Trotz mittlerweile brennender Sonne lief es sich hier ausgezeichnet. Der Boden, dank Asphalt schön eben und die Luft sehr trocken.

…über Felder ganz Ohne…

Ab Zierzow ging es dann wieder auf dem Müritzrundweg weiter, was nun langsam auch vermehrt Radfahrer im Gegenverkehr bedeutete. Auch viele Läufer hatten die individuelle Radbegleitung dabei, was aber dank weit auseinander gezogenem Feld kein Problem darstellte.

…durch Dörfer mit jubelnden Passanten…

Von Zierzow ging es so in Richtung Sietow weiter, wo ich nun das erste mal auf einen Verpflegungspunkt hoffte, merkte ich doch schon langsam wie die Hitze wirkte. Auch mein Trinkrucksack war da hilfreich, jedoch kann man bei der mittlerweile doch schon recht warmen Brühe darin nicht wirklich von erfrischend sprechen. Allerdings half es gegen den Durst.

…durch ein paar Waldstückchen mit extremer Luftfeuchtigkeit…

Und so konnte ich in Sietow angekommen mein Schwämmchen nutzen. Ordentlich vollgesaugt und dann unter die Mütze gelegt, half es doch die Hitze ein wenig in den Griff zu bekommen. Zumindest ein paar Kilometer waren so noch in ordentlichem Tempo drin.

…über noch mehr Felder…

Je weiter wir in Richtung Klink kamen, desto höher stand die Sonne und desto näher kamen wir auch dem Wasser. In Ufernähe war zwar großteils Schatten spendender Bewuchs, jedoch meist auf der falschen Seite und oft verhinderte dieser auch das letzte kleine Lüftchen was wiederum zu einer unsäglichen Luftfeuchtigkeit führte. Die Folge war dass das Tempo immer weiter zurück ging.

…ein bisschen Sightseeing und der erste Staffelläufer zieht vorbei…

Der schlimmste Abschnitt kam aber noch, denn in Klink angekommen, wusste ich, dass es „nur noch“ knapp 9km waren, aber auf der anderen Seite räkelte sich hier jeder der konnte am Strand oder planschte im Wasser. Bloß „schnell“ weiter. Gar nicht erst auf dumme Gedanken kommen. Und Mittlerweile lief ich auch nahezu alleine. Vereinzelt waren noch andere Läufer zu sehen, aber auch dies sollte sich auf den nächsten Kilometern fast vollständig erledigen.

…an Eisbüdchen vorbei…

Hinter Klink ging es dann in den Klinker Wald. Eingangs traf ich noch zwei andere Läufer an und dann war ich alleine. Endlose Kilometer ging es durch den Forst. Dann ein Schild „Müritzlauf“ und der Pfeil nach links ins Dickicht. Na gaut, irgendwie war da noch ein Weg zu erkennen, geht also weiter. Ein Stückchen weiter, ich dachte nun schon „verdammt, jetzt hast du dich verlaufen“, ein weiteres Schild. Diesmal war nur noch ein schmaler Trampelpfad unter tief hängenden Zweigen zu sehen. Egal, was solls. Weiter gehts. Dann endlich ein weiteres Schild und ein richtiger Weg. Doch die folgenden Steigungen waren nun zwar nicht schlimm, aber veranlassten doch zu weiterem Temporückgang. Dann das Schild „noch 5km“ und kurz darauf die erhoffte Straßenbrücke über den Reekkanal. Eine Verpflegungsstation und kurz darauf der Campingplatz Kamerun hießen dass es nun wirklich nicht mehr weit sein konnte. Noch ein bisschen Slalom am Kletterwald und durch Gartenanlagen, mittlerweile musste ich auch zwei drei kurze Gehpausen einbauen um einem Krampf in der rechten Wade zuvor zu kommen, kam ich, schon ziemlich am Ende der Kräfte, an der für mich so wichtigen Verpflegungsstation am Freibad an.

…fast da…

Knapp 2km noch bis zum Ziel, konnte ich hier ein letztes Mal Kraft tanken und vor allem wartete hier meine „Große“ auf mich (vielen Dank noch einmal den beiden Helferinnen an diesem Stand, dass sie sich so lieb um meine kleinen Maus gekümmert haben). Die Kleine wollte unbedingt mit mir mitlaufen, was sie dann auch getan hat. So sind wir durch eine elendig lange, nicht mehr enden wollende Straße direkt in Richtung Hafen gelaufen. Kamen dann an kleinen Parks und Schiffsanlegern vorbei, wurden angefeuert und angetrieben. Die Kleine lief ruhig neben mir her, meckerte nicht über den langsamen Papa und ließ mich mein Tempo machen. Sie hat mich so quasi die letzten zwei Kilometer bis über die Ziellinie gezogen, wo schon der Rest des Clans auf mich wartete. Ich bin mir nicht sicher ob ich das letzte Ende bei den Temperaturen alleine noch so flüssig durchlaufen hätte können.

…durch die Zielgasse…

Im Ziel dann erst mal gleich ins Versorgungszelt und Wasser, Cola, Melone, Banane, … in mich reingeschaufelt und als dann der Puls langsam wieder runter kam habe ich noch die Gelegenheit genutzt um mir die Beine massieren zu lassen. Ich muss sagen, dass das verdammt gut tat und die Damen da ganze Arbeit leisten mit den vielen Läufer-Beinen im Akkord.

… Zieleinlauf…

Dann noch ein bisschen Boote gucken und sich darüber wundern, wie andere bei der Hitze es um den ganzen See schaffen (der erste Ultra kam schon kurz nach mir ins Ziel). Immerhin sind es mittlerweile jenseits der 30°C. Da hält man es nicht mal im stehen lange aus, geschweige denn laufend.

…endlich angekommen.

Zum Abschluss ging es dann noch einmal die zwei Kilometer zum Freibad zurück, da ich mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen wollte meine Beine ebenfalls einmal ins kalte Nass zu strecken. Und so sind die Kleinen fleißig auf die Rutsche gegangen und ich habe mich einfach ins tiefe Wasser gestellt, konnte die Beine komplett entspannen und in aller Ruhe herunter kühlen. Ich bin mir jetzt nicht sicher, was genau dafür gesorgt hat, dass ich zwar leicht steife Gelenke aber nicht mal im Ansatz Muskelkater bekam. Auf jeden Fall hat es geholfen.

Boote gucken.

Fazit: Tolle Veranstaltung die ich gerne wieder besuchen würde. Dann aber mit ein paar Grad weniger.

Die Strecke:

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